Die Portugiesen

Sagres contra Super Bock

Fußball im Fernsehen, gesponsert von Super Bock, dem Bier aus Porto. Dazwischen Werbung für Sagres, dem Bier aus Lissabon. Oder umgekehrt. Vermutlich eine uralte Rivalität der beiden Hafenstädte.

Ob ich Angst habe so alleine unterwegs, werde ich gefragt. Wie ich dann alleine in der alten Mühle sitze, das nächste Haus einen Kilometer entfernt: klar, wenn dich hier einer überfällt, hat er dich ausgeraubt, bis Hilfe kommt.

Angst? Soll ich? Muss ich? Angst lähmt. I hate to have fear, sagte mal eine Warmshower Besucherin. Also habe ich keine.

Sie sind sehr offenherzig. Der erste Blick ist oft hart und unzugänglich. Wenn du ihnen aber offen begegnest, ändert sich die Mimik schlagartig.

Hilfsbereit, bemüht und vor allem ein lustiges Völkchen.

Meine (Warmshower) Unterkunft Geber: ein Pärchen um die 30. Sie arbeitet als Trainerin, bringt Kindern Skaten bei (professionell für Bewerbe) und hat noch einen anderen Job. Er macht Kinder Betreuung in einem Hort. Im Sommer ist die Bude zu. Bezahlt bekommt er da nichts. Er hat Geologie studiert.

Der Hotelier in Figuiera hat 27 Jahre in Münster gearbeitet. Ende der 90er sind er und seine Frau zurück. Das kleine Haus in der Altstadt – ihr Erbe – haben sie mittlerweile 3 mal renoviert. Ein schmuckes kleines Hotel.

Eine junge Frau, die mir in Porto Tickets verkauft hat, erzählt mir, sie verdient für diesen 40 Stunden Job 500,-. Sie lebt noch bei den Eltern, sonst könnte sie nicht überleben. Sie hat Touristik studiert. Sie hat allerdings die Chance, bei den Emirates als Flug Begleiterin zu arbeiten.

Natürlich wird gejammert. Wie die Österreicher einst eine große  Macht. Und jetzt ein kleines Völkchen. Die Perspektiven in ganz Europa nicht besonders rosig. (Selbst der Papst ist kein Europäer mehr 😉

Aber sie sind gut drauf, depressive Stimmung habe ich hier keine gespürt.

Der Frau, die bei Emirates beginnt, habe ich mitgegeben: sie soll ihre Chance wahr nehmen. Emirates hat internationale Crews. Sie kann dort viele Erfahrungen sammeln. Die Portugiesen haben eine lange Tradition, die Welt zu erkunden.

Und irgendwann wird sie wieder zurück kehren. Bereichert.

WLAN: bisher fast in jeder Unterkunft gratis. Mal schneller, mal nicht so. Die Computer, die ich gesehen habe: Windows XP. Nix LCD Schirm. Aber Skype übers Telefon ging fast immer.

Ein nettes Museums Stück in einer Pension (ohne Internet 😉

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Obrigado Portugal! War eine schöne Zeit mit dir!

Viana do Castelo – Caminho

Strand Tour

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Wehmut macht sich breit. Es waren äußerst angenehme Wochen mit den äußerst liebenswerten Portugiesen. Nachdem die Sonne lacht, beschließe ich, den Weg an der Küste entlang in die Länge zu ziehen.

Meine Unterkunft:

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Scherz! Aber ein angenehmes windstilles Plätzchen direkt am atlantischen Meeres Rauschen! Ein gutes Buch – Kindle sei dank verweht dir kein Wind die Blätter!

Caminho – nur mehr durch einen Fluss von Spanien getrennt.

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Den Abend beschließe ich stilvoll mit einer Bacalhau Lasagne und einem Glas vom portugiesischen Weißen.

Merke: der Portugiese macht nicht immer blau.

Ponte da Barca – Viana do Castelo

Die Jakobs Tour

Von Ponte da Barca nach Ponte da Lima geht es fast verkehrlos auf der Landstraße dahin.

Bei einem Bio Salat mit Schinken schaue ich dem Sonntag Nachmittags Treiben von Ponte da Lima zu: Spaziergang auf der Promenade bzw. über die Römer Brücke.

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Torrera!

Nach Ponte da Lima befinde ich mich endlich endlich endlich am rechten Weg – am offiziellen Jakobs Weg bzw. Ecovia, wie er hier genannt wird.

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Zuerst hervorragend beschriftet. Dann nicht mehr so, oder ich habe ihn, kaum gefunden, wieder verloren. Wie auch immer: am Fluss entlang bis Viana do Castelo. Felder, Wald und natürlich viele Fischer.

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Das ist natuerlich nicht der Fluss! Aber ein reizvolles Baechlein.

Im Viana do Castelo gibt es wieder eine Jugendherberge…

Der Hauptplatz von Viana:

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Langsam heißt es Abschied nehmen von Portugal.

Rio Caldo – Ponte da Barca

Stauseen Tour
11.5.

Nach einem geruhsamen Tag in Rio Caldo direkt am Stausee – eine lokale Runde, viel Sonne tanken – gehe ich den Berg an. Immer noch im Nationalpark Geres sind wieder einige Höhenmeter zu bewältigen. Dafür ist das Panorama überwältigend!

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Abwechselnd karge Fels Landschaft, blühende Heide, ein paar pittoreske Dörfchen.

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Granit? Das Waldviertel lässt grüßen!

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Vorbei am See, der an Spanien angrenzt. Noch ein paar Höhenmeter, dann geht’s lange bergab. Im Tal noch ein Stausee.

In Ponte da Barca – einem kleinen Städtchen – ist es nicht so leicht, Unterkunft zu finden. Ich lande letztendlich in einer billigen Pension und habe eine sonnige Terrasse für mich!

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Ein Weingarten, was sonst!

Merke: willst du hoch hinaus, dann trainier deine Wadeln.

Guimarães – Rio Caldo

Kirchen und Wein

Guimarães: eine mittelalterliche Stadt. Das Symbol für die portugiesische Identität. Portugal drängte von Norden aus die Ungläubigen, pardon: die Mauren sukzessive Richtung Afrika – analog zu Spanien. Danach hatten sie alle Hände voll zu tun, die Glaubens Brüder, die Spanier abzuwehren. Mit Erfolg – im Gegensatz zu den Basken oder Kataloniern.

Ein herausgeputztes Städtchen, seit 2001 UNESCO Kultur Denkmal. Zu Recht.

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Bedeckter Himmel bis Mittag, dann kam zeitweise die Sonne heraus. Den Pullover brauchte ich unterwegs nicht mehr.

Reizvolle alte Kulturlandschaft, Wein und Obst. Kleine Dörfchen mit trotzigen Kirchen.

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Die katholische Kirche teilte nicht nur Almosen aus.

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Schließlich erreiche ich Rio Caldo, gelegen an einem Riesen Stausee im Nationalpark. Herrlich ruhig hier. Und die Kirchen in den Dörfern schlagen öfter am Tag nicht nur die Zeit, sondern liebliche Melodien.  🙂

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Idyllisch!

Porto – Guimarães

Kopfstein Pflaster Tour
8.5.

Es regnet. Und der Wetterbericht ändert sich täglich. Daher beschließe ich, Porto den Rücken zu kehren und ins Landesinnere zu fahren, wo der Wein wirklich wächst.

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Mein GPS führt mich brav abseits der Hauptstraßen. Was es nicht weiß: die Portugiesen liebten früher Pflasterstein. Ganz im Gegensatz zu mir! Dafür führen die Strässchen durch ganz reizende Landschaft. Weingärten, in denen Kühe und Ziegen grasen. Obstgärten. Da und dort Glashäuser mit diversem Gemüse.

Auf der Zielgerade nach Guimarães überlebe ich mal wieder eine 4-spurige Autostraße. Das Schild zeigte Verbot für Fußgänger, Eselkarren, Mopeds und Traktore. Als alter Lateiner hätte ich natürlich dem Schild “Multiusos“ folgen sollen.  🙂

No risk, no fun, wie der Portugiese sagt.

Als krönenden Abschluss zur Stärkung probiere ich noch die Francesinha de Guimarães.

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Frage zum Tag – apropos Francesinha: wieso sprechen hier wie in Porto alle französisch?

Porto

Die Stadt, wo der Wein wächst.
7.5.

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Gegen mein Formtief ist diese Stadt ideal. Ein Restaurant, eine Bar neben der anderen. Ein Gläschen macht müde Geister munter!

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Ich mache das volle Touristen Programm: Hop on, hop off, eine Boottour am Douro inkl. der beeindruckenden Brücken, rauf mit der Seilbahn (übrigens: made by Doppelmayr, wie die in Skopje auch), eimal Schlendern auf der unteren, einmal auf der oberen Brücke.

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Abends bis in die Nacht hinein gabs noch ein Riesen Spektakel! Queima das Fitas: zum Studien Abschluss werfen sich Damen und Herren ihren Umhang um und werden in einem Riesen Umzug durch die Stadt gekarrt. Hinter jedem Wagen geht das Fußvolk, also die, die auf den Fakultäten verbleiben. In rituellen Sprechchören singt das Fußvolk und wird von den Behüteten gemaßregelt oder aufgeheizt. Manchmal wirft sich das Fußvolk zu Boden. Zwischendurch kniet einer der Begnadeten am Boden und wird mit dem Stock auf den Hut geschlagen. Danach umarmen sich beide herzlichst.

Eine Wahnsinns ausgelassene Stimmung und trotz viel Alkohol war keine Aggressivität spürbar.

Übrigens: ein Portugiese meinte mit einem Augenzwinkern, dass in den Studenten Städten der Februar der geburtenstärkste Monat sei  😉

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http://en.m.wikipedia.org/wiki/Queima_das_Fitas

Motto: Vinum et musica laetificant cor.

Aveiro – Porto

Die Weichei Tour

Es regnet. (Nein, es ist bedeckt und es tröpfelt, aber für den  gelernten Wahl-Linzer ist das einfach Regen 🙂 und die nächsten 80 km gehen am Strand entlang. Nachdem ich von den gestrigen 75 km, darunter 25 km Durchgerüttel, ziemliche Verspannungen habe, beschließe ich, den Zug zu nehmen.

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Zeit habe ich, deswegen schlendere ich noch gemütlich durch Aveiro. Ein bisschen Klein-Venedig, ansonsten eine Stadt mit moderner Shopping Mall und ausgedehntem historischen Stadt Kern.

Frivol, frivol, Trauzeuge steht mir bei!

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Im Urbanico (schneller Regionalzug) geht das Rad gratis mit!

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Am Bahnhof von Porto

Und weitere erste Eindrücke von Porto:

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Motto: tut das Ripperl dir weh, eine Runde durch Porto dann dreh!

Figueira da Foz – Aveiro

Kleiner Morgen Spaziergang durch Figueira da Foz. Ein schmuckes Städtchen, die verfliesten Häuser können sich durchaus mit denen von Lissabon messen!

Die Oldtimer Radshow habe ich leider verpasst. Aber wie wäre es mit einem 0,1er BMW?

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Nach der Strand Promenade windet sich die Straße auf einen Hügel hinauf. Oben führt sie durch einen Eukalyptus/Pinien Misch Wald. Riesige alte Eukalyptus Stämme mit buntem Unterholz. Ein Sonntags Ausflug Ziel für die Städter.

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In Quiaios probiere ich aufs Geratewohl noch einmal eine Francesinha. Ich bekomme: zwischen den Toast Scheiben Schinken, Käse und Wurstblätter. Darauf ein Schnitzerl. Und als Krönung ein Spiegelei. Umgeben von einer Soße. Das gibt Kraft für die nächsten 25 km!

Die brauche ich auch! Schnurgerade auf der Düne, links und rechts Pinienwald. Die Straße aus grobem Asfalt mit vielen Schlaglöchern.

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Erschöpft erreiche ich Praia de Mira: ziemlich touristisch, ein idyllischer kleiner See mit Sonntag nachmittags Tretboot Kapitänen. Ich mache mein Nachmittags Nickerchen am Strand zwischen Traktoren, die die Fischernetze abtransportieren, Quadbikes und  motorbetriebenen Paragleitern.

Die nächsten 25 km nach Aveiro sind gesäumt von Einfamilienhäusern und Bauern, die ihre Produkte am Straßenrand verkaufen.

Die Brücke nach Aveiro hat wieder einen eigenen Rad-/Gehweg. Nach der Autobahn Abfahrt bist du direkt im Zentrum – venezianisch anmutend: ein Kanal mit kleinen Brücken und bunten Booten.

Merke: wer in der Ebene fährt, wird lange Geraden ernten.