Eine gute Planung ist die halbe Miete

Um eine Radreise eine angenehme Sache und kein Tschoch werden zu lassen, empfiehlt sich eine umsichtige Planung und etwas Vorbereitung.

Zur Vorbereitung gehören eine Packliste, sodass auf der Reise nichts fehlt, aber auch kein Ballast durch die Gegend geschleppt wird. Weiters einwandfrei funktionierende Räder und GPS-Geräte incl digitaler Radkarten, wie zB die von Mapy.cz.

Eine stressfreie An- und Rückreise, dies zu organisieren ist jedes Mal eine Herausforderung. Am besten wäre es von zu Hause zu starten. In diesem Fall sind aber die Destinationen und Routen begrenzt. Ich bin stolz darauf, doch immer wieder gute Möglichkeiten zu finden. Dieses Mal fuhren wir mit dem Zug nach Ljubljana und mit Bus und Zug nach Hause. Die Zeit bis zum Anschlusszug verbrachten wir in aller Ruhe in einer Konditorei bei einem Tässchen Kaffee.

Der Zu- und Ausstieg mit dem Ein- und Ausladen klappt nun mit der Zeit immer besser.

Auf Anfrage kann ich auch eine Gegenüberstellung der Kosten für diese klimafreundliche An-/Rückreise versus Pkw geben ((-;

Da ich meine Reiseplanungskenntnisse gerne weitergebe, werde ich im kommenden Frühjahr auf der Linzer Volkshochschule einen Kurs “Radreisen selbst planen“ anbieten.

Unser Credo: Der Radreise-Tschoch soll höchstens auf dem ein oder anderen Wild-/Trüffelschweinpfad sein.

Unsere ganze Radreise mit einigen Fotos findet ihr auf Herberts Live-Tracker PolarSteps.

Das Radfahren an und für sich

Fast am End dieses Radurlaubs angelangt – morgen werden wir unsere letzte Etappe nach Udine pedalieren – können wir ein Urteil über die Radlerei an und für sich abgeben: ein Traum!

Traumhafte Aussichten

Die meiste Zeit waren wir auf auto-verkehrsarmen Strassen unterwegs. Bei Ilirska Bistrica und bei Buzet rasten wir auf Autorennstrecken hinunter ins Tak. Hat was die Schikanen mit dem Rad zu nehmen.

Der Preis war manches Mal, dass wir uns ein bisschen plagen mussten.

Nur ganz selten waren wir auf Wild-, bzw Trüffelschweinpfaden unterwegs. Dann wars zum Schieben.

Verpflegung gab es reichlich am Wegesrand.

Die Geisterdörfer

Größer könnte der Unterschied nicht sein:

während Luxusvillen aus diesem und jenem Jahrhundert die steilen Hänge an der Küste hochwachsen sind ein paar Kilometer im Landesinneren die Dörfer ausgestorben. Die Wunden des Krieges sind noch immer sichtbar.

Dane, Lipa, Male Mune, Zagrad, Žejane, sind nur ein paar Namen. Allen ist gemeinsam, dass sie 1944 von den Nationalsozialisten im sogenannten “Bandensturm“, dem Kampf gegen die Partisanen, überfallen wurden und die Zivilbevölkerung ermordet wurde. Meist sind die wenigen Überlebenden nicht mehr zurückgekehrt.

Heute finden sich in jedem Dorf Erinnerungsstätten. In Lipa gibt es seit 2015 ein Gedenkhaus, in dem auch ein Museum untergebracht ist.

Zaghafte Versuche die Region zu Beleben mit den Möglichkeiten von grenzenlosem Wandern, grenzenlosem Radfahren, grenzenlosem Schwammerl- und Trüffelsuchen, grenzenlosem Pferdewandern,… wurde vor KURZem durch einen langen Zaun unterbunden.

Medved na poti – Bären kreuzen den Weg

Die ausgedehnten Wälder des Snežnik sind die Heimat des Braunbären. Auch heuer durchquerten wir auf einsamen Forststraßen dieses Waldgebiet.

In den nahegelegenen Dörfern sieht man immer wieder liebevolle Abbildungen.

Aber wenn es um das eigene Futter geht, gibt es kein Pardon: Hohe Zäune gegen Bärenklau.

Kukuruz, Mangold und Fisolen werden auch von Bären sehr geliebt.

Ljubljana – eine Stadt mit vielen Gesichtern

Die einen kommen wegen der Architektur von Jože Prečnik, einem Schüler Otto Wagners. Er prägte die Stadt wie Gaudí Barcelona, denn er plante Brücken, den Friedhof, die Bibliothek, eine Wehr, eine Schule,…

Andere kommen wegen den gut erhaltenen und renovierten Jugendstilbauwerken.

Wieder andere kommen wegen anderen architektonischen Besonderheiten.

Andere kommen wegen den Cafés und Restaurants an der Ljubljanica.

Wir kamen wegen all dem und… Uns interessierte das Verkehrskonzept der Stadt. Denn vor einiger Zeit wurden wir darauf aufmerksam als sich die Stadt im Copenhagenize Index 2017 auf Platz 8 der fahrradfreundlichsten Städte katapultierte.

Die Stadt sperrte Slovenska Cesta für den Durchzugsverkehr. Nun ist der Boulevard offen für Fussgänger*innen, Radfahrer*innen, Busse der Verkehrsbetriebe und nur in geringem Ausmaß für sonstige Kraftfahrzeuge. Nun gibt es darüber hinaus im Zentrum ausgedehnte Fußgänger*innenzonen. Quer durch die Stadt zieht sich ein Radwegenetz auf dem auch wir Ortsunkundige uns sicher durch die Gegend bewegen können.

Mit dem Rad sind auch die Knirpse unterwegs. Bello wird am Rücken mitgenommenen.

Und 2020 wird Ljubljana Velo-City – ein Grund für uns wiederzukommen.

Unser Giro d’Italia

Von Villach

Über den Wurzenpass

Und weiter pedaliert

Auf kleinen Wegen

Bis zum Meer

Und fast im Meer

Ins Po-Delta

Zurück in die Alpen, wo unsere Tour in Bozen endete.

Unfallfrei und beinahe pannenfrei sind wir fast 1000 km pedaliert. Die Nachschau der Strecke gibt es auf GPSIES und POLARSTEPS.

Darauf stossen wir an!

Brentatalradeln

Wir waren in der Verlegenheit noch ein paar Urlaubstage mehr zum Radeln zu haben und wir entschieden uns bis Bozen zu pedalieren. Wir wollten das Brentatal hochradeln. Dem Brenta waren wir schon vor ein paar Tagen begegnet: bei der Ausfahrt aus Chioccia Richtung Po-Delta, wo der Fluss ins Meer mündet.

In Bassano di Grappa trafen wir ihn wieder, den Brenta.

Der Radweg führte fast immer direkt am Fluss.

In einer Talenge vorbei am Covolo di Butistone, einer Höhlenburg.

Durch Dörfchen, wie Valstagna.

Und Städtchen wie Borgo di Valsugana.

Und Levico Terme.

Später im Oberlauf des Brenta wird das Tal wieder breiter. Viele Obstplantagen finden sich dort, meist Äpfel. Kirschen und Erdbeeren sind gerade reif.

Zum Abschluss nach einem Bad im Lago di Caldonazzo, dem Ursprung des Brenta geht es auf der Via Claudia Augusta steil bergab ins nächste Tal, dem Etschtal.

5 – 10 – 15 – 20 – 25, nein 30 Prozent aufi

Nach Tagen in der Ebene, die flach wie eine Flunder war, freuten wir uns schon wieder auf ein bisschen bergauf und bergab in den Colli Eugani und Colli Berici.

Aber dass es gleich so steil wird.

Auf dem Vulkangestein der Colli Eugani gedeiht der Wein sehr gut.

Herbert in Südlage.

Die Colli Berici sind aus Kalkgestein. Nicht minder steil und bekannt für Wein und Olivenöl.

Das Delta

Vor Jahren ein Buch mit dem gleichnamigen Titel von Kurt Lanthaler gelesen und das Interesse war geweckt.

Das Delta hat seinen Reiz. Lanthaler beschreibt das Delta im Nebel. Wir bevorzugen Sonnenschein. Mausgrau haben wir ja eh auch im Donautal.

Das Delta wächst jedes Jahr.Das Delta ist heute ganz anders als es ohne die aufwendigen wassertechnischen Verbauungen wäre.

Das Delta ist Naturlandschaft. Selbst unsere laienhaften Kenntnisse über die Fauna liessen den Artenreichtum an Tieren, vor allem an Vögeln erahnen.

Das Delta ist Kulturlandschaft. Der grösste Teil ist Ackerland. Damit das nicht vertrocknet, wird jährlich eine Milliarde m³ Wasser in die Bewässerungskanäle gepumpt.

Es braucht viel Zeit die Gebiete zwischen den Flussarmen und -beinen zu erradeln. Brücken sind rar und mache auch eine Rarität.

Es kann unsere Laune erahnt werden, wenn wir zwei Kilometer vorm Ziel das Abendessen von der anderen Seite des Po schon beinahe riechen und plötzlich vor einer Brücke in “Reparatur“ stehen.

Venedig und seine Inseln

Was wäre, wenn es das Projekt Taglio di Porto Viro zu Beginn des 17. Jahrthunderts nicht gegeben hätte?! Der Po war drauf und dran, die Lagune von Venedig zu versanden. Ein riesiges wassertechnisches Projekt der Republik Venedig hat den Po in ein neues Bett gezwängt.

Was wäre wenn?

…man könnte trockenen Fusses zu einem Sonnenbad auf den Lido und im Anschluss auf einen Caffè Shakerato ins Palace Hotel spazieren.

…der rote Teppich des Filmfestivals am Lido würde bis zum Markusplatz ausgerollt.

…der Reis käme erntefrisch vom Feld ins berühmte Risotto des Hafenrestaurants auf der Insel Pellestrina.

…Venedig wäre es wie der Stadt Adria, der Namensgeberin der Adria, ergangen. Einst Hafenstadt, jetzt kilometerweit im Landesinneren und umgeben von Weizen- und Maisfeldern.

Buchtipp: Die Adria Die Wiederentdeckung eines Sehnsuchtsortes von Uwe Rada.

Nachtrag zum letzten Artikel: das Mosaik der U-Bahnstation Volkstheater in Wien ist von der Mosaikschule Spilimbergo.